2011/01/21

Zweitausendelf also.


Für gewöhnlich wünscht man sich ein frohes neues Jahr maximal bis Mitte Januar, aber Anke erzählte mir gestern, sie habe es erst gestern geschafft im neuen Jahr mit ihrem Vater zu telefonieren und sich deshalb de facto jetzt erst ein neues Jahr zu wünschen. Ihr sei es verziehen, denn sie schreibt ihre Magisterarbeit. E m p i r i s c h (= inklusive wahnsinnig nervtötende Datensammlung). Und irgendwas mit Medien. Dementsprechend hat sie alle Freiheiten in Sachen Freundschaftspflege und darf sich verhalten wie eine Rampensau. Was sie aber nicht tut. Ich dagegen bin seit vergangenen Oktober wieder wohlbehalten in Köln angesiedelt und habe trotzdem bis vor Weihnachten nicht ein einziges Mal geschafft an meinen Blog zu denken. De facto nicht bis ich diesen Mittwoch mein Ticket fürs Haldern dieses Jahr gekauft bekam und feststellte, dass mein letzter Eintrag über den Nudelsalat stammte den ich d a m a l s (kann man nach 7 Monaten mal sagen..) gemacht habe.



In der Zwischenzeit sammelten sich die Fotos auf meinem Telefon, die ich "mal für nen neuen Blogeintrag" zu verwenden gedachte. Vo den Fotos, die noch aus meinem Chinajahr auf schriftliche Abhandlungen ihrer Ereignisse warteten, wollen wir gar nicht erst anfangen, okay?
Denn e i g e n t l i c h befinde ich mich gerade auch schon wieder im sogenannten Prüfungsstress, da die Semesterabschlussklausuren anstehen. Ganz nebenbei bin ich im neuen Jahr meinem einzigem Vorsatz bisher treu geblieben und treibe Sport. Naja, ich hampele wöchentlich durch ein Frauenfitnessstudio, mal zu lateinsüdhippopafroamerikanischer Musik, mal versuche ich mir einfach nur nicht an den Stemm-und Ziehmaschinen die Schulter auszurenken. Yoga steht nach zwei Jahren Pause auch wieder auf dem Programm, wobei ich den Luxus meiner ersten Yogarunden vermisse, in denen Valeria uns bei der Tiefenentspannung ganz nebenbei noch mit gutem Naturkosmetik-Kharma versorgte.

Langer Rede kurzer Sinn: Anke, Magisterarbeit, trotzdem tolle Freundin. Nachher werde ich mit Roel bei ihr vorbeispazieren und etwas trinken, bevor wir zu Daniel Snaiths Platten-Draaierei grooven. Und weil ich so viel mehr gutzumachen habe bei jedem, der diesen Blog mal aboniert hatte, als Anke bei irgendeinem vernachlässigtem Freundeskreis, gibt es hier das Rezept für ein wahnsinnig ausgefuchstes Hoummous, das ich nachher Anke mitbringen werde.
Auf zwei Dosen Kichererbsen habe ich 4 geröstete Knoblauchzehen gepackt, damit wir nachher viel Platz auf der Tanzfläche zum "grooven" haben. Unfassbar. Kaum heißt eine Party so, bin ich völlig angetan von dem Wort. Ein Hoch aufs Prokrastinieren vor Prüfungen und ein gesundes neues Jahr.


////// R E Z E P T

1 Dose Kichererbsen a
2 Knoblauch
2 EL Cashewkerne
2 Schubs Olivenöl
3 Stiele Minze und Petersilie
2 Schubs Zitronensaft
Salz und Pfeffer zum Abschmecken

Bei Bedarf gerne den Pfeffer (bei mir war es schwarzer, feingemahlen) mit Cayenne ersetzen, allerdings hatte ich das Gefühl, mit den frischen Kräutern, Cashewkernen und geröstetem Knoblauch genügend Geschmacksknospen anzusprechen.



Hoummous ist einfacher zu machen als zu Buchstabieren. W o r d. Ich bin mir nichtmal sicher, ob ich es richtig geschrieben habe, aber so faul nachzusehen, wie ich zu faul war die Mengenangabe auf der Dose nachzusehen. Es war Tomatenstückchen-Größe, nicht Hühner-Nudeltopf, falls die Beschreibung hilft..

Kichererbsen abtropfen, mit Petersilie, Minze, Salz, Pfeffer, Zitronensaft, einem der Olivenölschubser in eine Schüssel geben. Cashews und Knoblauchzehen (nicht gehackt, sonst verbrennen sie zu sehr) mit dem anderen Schubs Olivenöl in einer Pfanne anrösten, bis sie Farbe bekommen. Ebenfalls in die Schüssel geben und mit dem Stabmixer durchpürieren.

Nach Geschmack weiter Zitronensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer hinzugeben, manche mögen es fruchtiger, salziger, cremiger (durch das Olivenöl) oder würziger, in jedem Fall wird der Knoblauch ziemlich deutlich sein, was man auch noch durch mehr Kräuter abwechseln kann.

Hoummous ist wirklich ein DIY-Produkt, dass bei mir jedes mal anders gerät, aber die geröstete Knoblauch Version hat es mir natürlich angetan. Hier eine Rezeptvariante aus den USA.



Das ist das süße Glas, dass ich nachher zu Anke mitnehme, Fotos zum eigentlichen Arbeitsprozess gibt es nicht, da sie mit meiner neuen Rührschüssel zwar sehr hübsch aber ziemlich unspektakulär wären, außerdem hab ich schlichtweg nicht daran gedacht, das Rezept zu posten, bis ich das Hoummous probierte und all das gute Eiweiß dachte, dass unser Hirn so fit macht. Und weil ich und Anke sicherlich nicht als einzige derzeit über Büchern leben, konnte ich das "Rezept", den wenigen die so etwas noch nie gemacht haben nicht vorenthalten.


2010/08/16

Zeltsalat für die Gurkentruppe. Ein Coming of Age-Rezept.

Aufgemerkt, dieser Text könnte arg verklärt und klebrig wie ein Werther's am Backenzahn werden. Es geht nämlich um Kapern. Kapern haben mit Butterscotch-Bonbons so ziemlich nichts gemeinsam, ausser der Tatsache, dass sie für mich in der Frühkulinarischen Entwicklung eine bedeutende Rolle spielten. Werther's gabs a la Klischee in Omas Handtasche und waren im Vergleich zu Schokominzlinsen nicht mit ihren Betablockern zu verwechseln.

Kapern wiederum machten die Königsberger Klopse zu einem absolutem Mutterbonus, denn dieses Gericht ostpreusischer Herkunft, schienen selbst mir ..fast auf Anhieb zu gelingen. (Merke, die Klopse kochen 'recht' lang, bis sie gar sind.) Dabei ist es auch ein recht einfaches Gericht, wenig Zutaten, darunter eben jene kleine grüne Glücksfrucht, die ich eben nur als Klopssoßengeschmack und dank Sendung mit der Maus später auch als Tapenade kennen lernte.


Und da wären wir auch schon bei der Verklärung. Kapern sind einfach die Besten. Und im Nudelsalat unschlagbar. Warum ich das hier zu erzählen habe, hat den schlichten Grund, dass es nicht nur mir so zu gehen schien. Gleiches gilt für die Kombination Meerretich + kalte Kartoffeln, Gurke + Vodka, sowie Apfel+Dill*, aber immer der Reihe nach:

Als ich dieses Wochenende aufs Haldern Pop Festival fuhr, erwartete ich das Schlimmste. Mein erst drittes Festival überhaupt ließ mich aus den bisherigen Erfahrungswerten des Southsides und Melts vorallem drei Dinge fürchten: furchtbares Essen, fiese Sanitäranlagen und schlechte Getränke. Getränke und Essen sind durchaus seperat zu nennen, denn als nicht allzu exzessiver Biertrinker ist man auf Festivals recht aufgeschmissen, da Wein und die 'Cocktails' aus wässrigem Eis mit Vodka und Sirup auch nicht immer.. munden.

Nonchalant möchte ich jetzt im Nachhinein behaupten, dass meine Sorgen natürlich völlig unberechtigt waren. Verständlicherweise umso peinlicher, aber ich bringe es jetzt nicht fertig, diesen Witz vom Wochenende aufs Papier zu bringen, als wir (ja, mehrere) Festivalaversen unsere durch aufgesetzte Lässigkeit zu überspielende Unerfahrenheit konterkarierten, was natürlich darauf hinauslief, dass wir uns selbst erst richtig peinlich waren. Vielleicht war ich auch nur die einzige und tat allen anderen heimlich leid. Es war trotzdem so wunderbar, hätte es keine Konzerte gegeben, hätte die Veranstaltung vermutlich "Ferienlager für Jungmenschen aus Bullerbü" geheißen. Selbst der Gang zum Dixi Sonntag morgens um 6 Uhr kann jetzt gnädig vom Ekel weg verklärt werden, denn dafür musste man sich dank Trekker fahrenden, schwedenblonden Kindern ums Leergut kümmern, da sie einem früh morgens den ..vollgestellten Campingtisch abräumten, natürlich nicht, ohne vorher siezend um Erlaubnis zu bitten. Vermutlich von Mutter und Vater Bullerbü konnte man Rührei mit Speck kaufen, für nen Appel und ein Ei, bestimmt auch im wahrsten Sinne.. ach ja, und wir waren morgens um 8 Uhr in einem kalten See baden. Genau, auf einem Festival! Und danach Pferde streicheln! Auch ja, die Musik:


Denn nun muss ich noch kurz rechtfertigen, warum das alles schreibe: Festivals wie das Haldern Pop sind als Freiluftveranstaltungen nun mal immer ein kleiner Campingakt. Und Camping ist eine 'spezielle' Art des Reisens, darauf ließe sich ja wohl mal kurz einigen. Auch ist im allgemeinen meine Foodblooging-Faszination bekannt, warum also nicht mal über Essen auf Reisen schreiben? Also reisendem Essen. Sowie Getränken.


Mein lieber Niederländer hegt aus Kindheitstagen und eigener Festivalerfahrung eine gründliche Campingaversion, die es für die Teilnahme am Haldern mit kulinarischen Bestechungen zu mildern galt. Erste Bedingung: Macaroni-Salat, mit dem ihn wohl schon damals seine Mutter besänftigen konnte. Allerdings diesmal nicht in der Caravan-Minikühlschrank kompatiblen Mayo-Erbsen-Schinken Version, sondern einem "Projekt" an dem ich seit fünf Jahren arbeitete, angefangen mit meinem 18. Geburtstag, als ich ein Jamie Oliver BBQ veranstaltete und ein Kilo Muschelnudeln in die Tonne kloppen konnte, weil ich das fadeste Nudel-Öl-Kaltgemisch aller Zeiten herzustellen versuchte. Merke, Knoblauchzehen im Nudelwasser mitkochen bringt es nicht. Kein Vorwurf an JO, aber ich glaube die Rezepte in der deutschen Übersetzung sind nichts für unerfahrene Küchenteenies, auch wenn sie so aussehen.
Diese Idee eines Nudelsalats auf Öldressing mit feinen Tomatenstückchen und Oliven fand ich faszinierend, denn die Mayo-Variante ruft bei mir nur einen Bewusstseinsstrom aus Kindergartenfesten und erste Koordinationsversuche des Essens im Stehen/auf engen, hohen Bierbänken von Papier- und Plastikuntensilien - Erbsen und Macaroni sind sicher nicht geeignete Versuchsobjekte und passen auch nicht gut zu Unmengen Bockwürstchen, Limonade, Eiskrem und anschließenden Wettspielen mit Purzelbäumen.
Zur Verteidigung: Natürlich sind Kapern so groß wie Erbsen, und haben wir beim Zelten auch nicht sonderlich anderes Essgeschirr besessen, aber dieser Salat ist wirklich so simpel und toll, dass ich nun alle Huldigungen beende und schlichtweg das Rezept hinterhersetze. Da keine Mayo oder sonstigen tierischen Produkte enthalten sind, lässt sich die (vegan-vegetarisch, abhängig von der gewünschten Sorte an) Pasta prima länger aufbewahren, an dem Mittwoch zubereitetendem Kilo aßen wir bis - soweit mir bekannt - Freitag, ich hab ihn in einer Tupperdose und Kühltüte, wie es sie im Supermarkt gibt, transportiert. Warum nicht in meinem kanariengelben Kühlklotz? Der war den Getränken vorbehalten: Bloody Marys, Melone Apfel Dill - Saft und Inas fabelhafte Kombination von Vodka mit Tonic Wasser und Gurke, eine etwas herbere Version des Moscow Mules aus Ankes Theke Kofferraum. Alles in Glasflaschen gekühlt und sicher aufbewahrt, denn wir durften auch unsere Autos neben den Zelten ...und dem Kuhmist parken. Ist das nicht toll?


Alles in allem, wir hatten eine so fabelhafte Zeit, dass ich den Hummus und Kartoffelsalat für meine Geschichten vom Heimaturlaub und Erdbeerfest in Peking aufhebe.

////// R E Z E P T

Nudeln - Macaroni oder Orecchiette - nach Augenmaß etwa 500 Gramm
1 Glas Kapern
1 Glas schwarze Oliven im Saft - wenn möglich in Scheiben, in etwa das einandhalbfache der Kapern
2-3 Tomaten, fein gehackt a 5 Milimeter - nicht nachfragen, klein schneiden.
Saft einer Zitrone
Meersalz und frisch gemahlener Pfeffer - eh nicht diskutabel.
Olivenöl
1 Knoblachzehe


Die Nudeln im Salzwasser gar kochen. Derweil Kapern mit Saft in eine Schüssel geben,
Oliven (abgegossen) dazu, Zitronensaft, Tomaten, die gepresste Knoblauchzehe - fein hacken durchaus auch okay, erst unter die warmen Nudeln heben ebenfalls verhandelbar - Olivenöl dazu, gut mischen und etwas ziehen lassen bis die Nudeln fertig sind.
Nach dem Abgießen die Nudeln sofort mit dem Rest vermengen, gelegentlich umrühren und nur bei absoluter Kapernsucht vor dem Erkalten essen. Es schmeckt meiner Meinung nach halbwarm ganz fantastisch, aber nach dem Erkalten und Ziehen lassen bekommt das ganze noch eine völlig neue Dimension - 'aber darum geht es hier garnicht'.

*Eine prima Festivalkameradin ist die Anke. Tips wie "Tetrapaks einfrieren", auf dass sie durch das Auftauen kühl bleiben oder wo es das Rührei-Frühstück gibt, so wie dieses fantastische Getränk sind ihr zu verdanken! Merci, Puppe!
////// B(astiund)ANKE Drink
Apfelsaft zu gleichen Teilen mit pürerter Honigmelone und frischem Dill (2-3 Zweige auf 1 L) ansetzten, kühlstellen. Mit Vodka (2 cl), Eis und gerne einer Scheibe Zitrone servieren, den Dill eventuell abseihen, falls man Sprüchen wie "Sind das Algen? Trinkst du Gras?" müde ist.

2010/07/19

Elternbesuch.

"Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir!" - Pustekuchen, Bologna-Prozess - es hat 25 Grad, die Sonne scheint, mein Magen spielt weiterhin Risiko und ich schreibe mir die Finger mit Schriftzeichen wund. Macht nichts, denn obwohl die Niederländer Watte als Brot und Lebensmittelfarbe als Fleischwurst verkaufen, gibt es bemerkenswert vielel Lebensmittel und Zubereitungsmöglichkeiten für mich, die ich die letzten Monate vermisst habe. Nicht, das ich jene Zubereitungen ohne größere Komplikationenen essen könnte, aber immerhin ich darf wieder richtig kochen und mit der genialen PUDDING CAMERA, einer koreanischen Iphone-App mein Zubereitetes (von Kochen zu reden ist etwas übertrieben bei den Temperaturen) fotographieren.

Not cooking the Charlotte Cake in Rewind.

Das Rezept stammt von epicurious.com - nur hat die Hitze mich etwas "gekke" wie der Niederländer dies zu kommentieren pflegt, noch einiges an Basilikum unter die Himbeeren mischen lassen, eine Kombination, die ich vor zwei Wochen bei meinem ersten Amsterdam-Besuch als alkoholisches Kaltgetränk probiert habe und absolut unschlagbar finde. Noch, denn ich habe noch Dill mit Melone auf meiner Liste..

Und "Elternbesuch", weil ich mit dem Dessert die Mutter des Niederländers beeindrucken wollte. Wäre eine Kastenform nicht ungeeignet für Parfaits gewesen..

2010/07/01

Was vom Reisen noch übrig blieb.

So. Nun bin ich also wieder in Europa.
Mit vier Stunden Verspätung, das Triebwerk der Maschine in Beijing fiel beim Mechanikcheck negativ auf, und konnte bis 6 Uhr Ortszeit nicht durch Funktionsfähigkeit glänzen, da aber ab Punkt 6 Uhr kein Flug nach Frankfurt mehr erlaubt war, überlegte es sich das wohl nochmal, jedenfalls starteten wir dann irgendwann doch. Um zehn Uhr Frankfurter Ortszeit Landung, das Ein-Mann-aus-Utrecht-Empfangskomittee parat, mein Gepäck aber nicht, Freitagabends arbeitet man nicht auf deutschen, doch internationalen Flughäfen. Vier Uhr Morgens Ankunft in Utrecht, Reisezeit 39 Stunden von Zhuhai, Südchina nach Utrecht, Niederlande.



Mein "Gepäck" hatte ich am Vormittag mit Rachel noch in einer Speditionsfachgerechten Paketaktion losgeschifft, ein chinesisches Vermögen dort, ein Schnäppchen bei der deutschen Post.



Den ganzen Flug über schneutze ich die Restbestände meiner vermeintlichen Klimaanlagen-Erkältung aus, zum Argwohm meines etwas übergroßen Sitznachbarns, der die Armlehne blockierte, in der sich mein winziges, kompliziertes Klaptischchen befand, dessen Aufbau sich für das unüberraschend scheußliche Flugzeugessen eh nicht lohnen sollte, mich trotzdem in überhöfliche Konversationen zwang und den kompletten Flug halbkomatös durch den Mund röchelnd die zwielichtige Vampirepen verfolgen ließ, über die ich mich vielleicht ein anderes mal auslasse. Nur so viel: 39 h Reisezeit mit der gebotenen Vorsicht auf so wenig Nahrungszunahme wie möglich? Alberne, ellenlange Teenageromane mit schnurrenden Vampirboys als Hörbuchsind ein willkommene Unterhaltung dafür.



Die gebotene Vorsicht der Nahrungszunahme war letzten Endes der Grund meiner binnen 48 h entschiedenen Abreise und im großen und ganzen Renovierungspaket dieses Blogs auch die Entschuldigungskomponente für die Brachlage der letzten Monate. Ohne ins Medizinsch-physische Detail gehen zu wollen, aber meine Liebe für China ging nicht so ganz durch den Magen und nach zwei Monaten versuchter Selbstdiagnose mit wechselndem Verzicht auf Milch, Soja, Fleisch, Obst, Kohlenhydraten und sonstigen Lebensmittelgruppen, blieb nur noch die Option nach Hong Kong ins Krakenhaus zu fahren, wären da nicht noch die anstehenden Semesterklausuren, der Sprachtest und meine geplante Rucksackreise gewesen. Letztere rückte mit allen erdenklichen schlechten Vorzeichen immer weiter in Ferne, und auch alles weitere in der Entscheidungsfindung lässt sich mir heute nicht mehr so recht rekonstruieren, aber doch wohl nachvollziehen. Nach einer Woche extremer Magenprobleme, die mich aufgrund des verlängerten Wochenendes vom Drachenbootfest ohne Fehlstunden zu Hause ließen, schrieb ich meinen dreistündigen Sprachentest am Sonntag noch mit, um Montags meine erste von vier Klausuren nach 30 Minuten wieder einzureichen und nach Hause zu wanken, mit kaltem Schweiß, Schüttelfrost und dem dumpfen Gefühl, dass es dass ja wohl nicht sein kann. In dem Moment, als ich die Klausur abgab, war mir eines klar: Komme was wolle, ich hab keine Kraft mehr. Keinen Willen. Mein Wissen, Studium, die Erfahrungen der letzten 9 Monate waren es nicht wert, so erbärmlich zu Ende zu gehen und eine Fast-Kollision mit einem der mörderisch-rücksichtslosen Nahverkehrbusse ließ mich keinen weiteren Sinn in einem verlängertem Aufenthalt sehen als den eines gesundheitlichen Risikos.

Ach ja, das und eine Kakerlake Dienstag morgens im Bett! auf meiner Schulter!

Langer Rede kurzer Sinn: Meine unglaublich liebenswürdigen Gastgeber für die restliche Zeit meines Aufenthalts, Rachel und Jesse aka "Angels of Walla Walla" halfen mir binnen 2 Tagen Mut zu machen, Medikamente zu verabreichen und alles sonstige auf den Weg zu bringen, so dass ich mit allen wichtigen Unterlagen im Flieger nach Hause saß.

Little "Commercial": See that cute yellow bird print wrapping around my passport?
Its a passport wrap from habitat and I love it, not only because I cannot afford the legendary this summers MIU MIU prints..




Ich möchte auf diesen Wege, auch wenn es vielleicht nicht alle Beteiligten lesen mal ein großes Dankeschön in den Äther posaunen:
An die Freunde dort in kleinen Zhuhai, die so rücksichtsvoll und hilfsbereit waren, im Internationalen Büro, meine Sprachpartner, Nachbarn, die mir meinen Abschied nur in einer Hinsicht schwer gemacht haben und zwar von so lieben Menschen so unbestimmt und vielleicht entgültig Abschied zu nehmen.
Allen Menschen zuhause, deren Freude, Mitgefühl und Ratschläge mir geholfen haben, diese Entscheidung zu treffen und nicht zu bereuen, meine Begeisterung für China zu behalten, ohne daran zugrunde zu gehen und mich vorallem mit offenen Armen empfangen haben und mit denen ich die kommenden nun "freien" Monate unverhofft früh wieder verbringen kann.
Zwar nicht ohne gesundheitliche Risiken, aber wo kann man das schon?

Es wird weitergehen hier und zurück. Eine Ladung Bilder, Geschichten und Orte warten auf ihren Auftritt, nun ohne Klimmzügen an der "Great Firewall" hoffentlich auch etwas zügiger? Warten wirs mal ab.

2010/06/25

Kopf über Hals.

Noch zehn Minuten zum Boarding. Ich sitze direkt in der ersten Reihe rostbrauner Ledersitzbänke vor dem Gate. CA 931, 14 Uhr nach Frankfurt. Die Buchstaben auf dem Bildschirm wandeln sich fast sekündlich in die entsprechenden Schriftzeichen auf Chinesisch.
Neben mir hat sich eine der Stewardessen aus dem Bodenpersonal gesetzt, sie guckt etwas verstohlen auf meinen Bildschirm als ich auf Youtube ein Video suche. Dieses Video.



Keine drei Tage brauchte es für meinen Beschluss, das Rückflugticket und die gepackten Koffer. Zu schnell wohl,
denn so richtig Abschiednehmen konnte ich erst, als mir der Zollbeamte in Beijing meinen Pass mit den Worten "Auf Wiedersehen" in die Hand drückte, die wohl wirklich letzten Abschiedsworte für mein Auslandssemester. Ich hatte noch viele Pläne gehabt, tausend Beiträge hier in der Pipeline. Aber irgendwann blieb alles zwischen dem meterhohen Lernpensum und der abgrundtiefen körperlichen Verfassung, in der ich mich seit zwei Monaten befand, hängen. Ohne ins Detail zu gehen, eine Rucksackreise, Besuch der Expo, für nichts schien sich mehr die Kraft oder Motivation zu finden.
Was meiner Begeisterung für China keinen Abbruch tut, höchstens den Umständen.
In jedem Fall. Die wohl letzte große, endliche Rückreise für dieses Jahr.

Ich bin zu müde um aufgeregt zu sein, aber ich weiß, dass die Rückkehr vielleicht eine noch größere Herausforderung wird..
All die Erinnerungen, Geschichten, Bilder kann ich nun zeigen und erzählen und meinem Aufenthalt endlich gerecht werden.
Vielleicht aus einem neuen Blickwinkel, vielleicht hat sich aber auch meine Perspektive im Allgemeinen geändert.
Schon allein der Flug fühlt sich kein bisschen mehr wie eine große Reise an, zehn Stunden Flugzeit sind fast schon "normal", "kurz", verglichen mit den Distanzen und Wartezeiten dazwischen. Ich freue mich, wenn sich dass wieder ändert. Wenn die Grenzen wieder kleiner werden, die Distanzen, die Extreme. Vielleicht nicht mehr wahrgenommen werden?

What does this City has to offer me?

Vieles. Nur nicht jetzt. Erstmal zurück, Kraft schöpfen. Auf Wiedersehen.

2010/03/02

Altklug auf Achse.

Halbzeit. Mein zweites Semester im Auslandsstudium hat begonnen.
Die erste Unterrichtsstunde wurde klassischerweise mit dem Austausch
von Reiseerinnerungen bestritten. Und mir kamen ein paar Gedanken -
wie es denn weitergeht, wie es eigentlich bisher gewesen ist:

Reisen.
Als ich mich letzten September zum Studieren nach China aufmachte,
da war diese e i n e g r o ß e Reise.
Nicht die erste, aber doch bisher die größte.

Von Köln nach Düsseldorf, Hab und Gut einmotten.
Von Köln nach Frankfurt, mit gepackten Koffern zum Bahnhof, schnell noch Wahlschein abgeben.
Von Frankfurt - Fernbahnhof zum richtigen Terminal - ja, das kann auch schon eine kleine Odyssee werden.

Dann endlich - oder auch nicht, denn Abschiedstränen gab es auch - mit dem Flugzeug nach Shanghai. Einreise, Gepäckausgabe, Taxi, Büro der Shanghai Bekannten, Wohnungsschlüssel, Adresse, Chinesischer Hinterhof, Wohnung, Sofa. Erstmal Sitzen und bei 30 Grad - akklimatisieren.
Zwei Tage später nächster Flughafen, nächste Stadt, Guangzhou.
Mit Bus und Taxi zum Campus, Hotel, nächster Tag registrieren, wieder in den Bus,
Zhuhai. Wohnheim .. nein. Wohnung, woher? Hotel. Couch neuer Kommilitonen.
Dann endlich: Die eigene Wohnung, das eigene Bett. Frische Bettwäsche.
Saubere Dusche. Kühlschrank, gefüllt mit Saft, Obst und Toastbrot.
Reisen? Erst mal ankommen.
Die nächsten Reisen gehen zum Supermarkt, dann ins Dorfinnere, an den Strand - jede Fahrt mit dem Bus wird zum Abenteuer. Und dann wieder Gewohnheit. Mit Stäbchen essen ist Alltag, ums Obst feilschen ist Alltag, Vokabeln lernen und am japanischen Kaffee sparen.
Auf nach Guangzhou, auf nach Shanghai - nicht als Tourist, aber doch noch Reisender?
Einen Stadtplan habe ich immer dabei, aber Ortskenntnis eigne ich mir schnell an.
Mit dem Chinesisch klappt es auch, auf dem Tagesprogramm stehen keine Sehenswürdigkeiten, sondern ein kleines Museum, das Café mit den guten Torten, Broteinkäufe, Porzellandesigner, die Straßenimbisse und die Kamera im Anschlag sind eine Selbstverständlichkeit:
Erstere aus Bequemlichkeit und Sparsamkeit, und natürlich schmeckt es einfach hervorragend.
Letzteres, weil doch jeder Schritt, jede Straßenecke dieser gigantischen Metropolen noch Sonderbares und Nicht-Gesehenes birgt oder aber einfach in seiner wunderschönen Andersartigkeit darum bittet, doch einmal kurz auf einem Foto festgehalten zu werden.

Ich habe keine Mission. Keinen Bildungsauftrag außer den an mich selbst:
Die Chinesisch-Kenntnisse zu verbessern und das Land verstehen.
Nicht so, dass es ein Buch füllt und andere lehrt.
Ich will keiner dieser China-Pendler werden, ich will weiterziehen.
Frankreich ist mindestens genauso spannend - aber China ein größeres Unterfangen.
Darum landete es auf dem Studienschein.
So kann ich dieses Jahr weiter als Reise betrachten.
Nicht als Station. Auf der man sich ausruht. Für den Lebenslauf.
Und seinen guten Noten und besseren Kenntnissen.
Immerhin ist dies immer noch das andere Ende der Welt,
von meinem Ausgangspunkt gesehen.

Irgendwann geht es weiter, und dann muss man etwas mitnehmen, dass sich nicht nur in Koffern und Kisten und Pakete nach Hause schicken lässt oder
gut in Times New Roman aussieht.
Etwas, das bleibt. Das Erinnerungen und Werte schafft,
Kenntnis fordert und Perspektive formt.
Deshalb bleibt jeder Gang vor die Tür eine Reise, jede Begegnung mit einem Ortskundigen ein Stück Bildung.
Wenn sich nun nach den kommenden fünf Monaten mein Aufenthalt zu Ende neigt;
ich dann meine Koffer packe, für die Reise zurück und im Leben aber ein Stückchen weiter - dann werde ich nicht zurückkehren, sondern weitergehen.
Jeder Besuch bei den Eltern, jedes neue Buch, jedes gekochte Gericht wird eine Reise bleiben,
klein oder groß, emotional, wissenschaftlich, kulinarisch.

In der Stadt meiner Eltern, da hat einmal ein Mann gewohnt und gearbeitet, gut 200 Jahre ist das nun her. Er hat für den Preussischen König das Abbauverfahren des Goldbergbaus revolutioniert. Sein Renommee als Ingenieur begründete auch seine Karriere als Wissenschaftler - Sie wissen schon - einer d e r Wissenschaftler:
Heute ziert der Name dieses Herren eine der berühmtesten Universitäten Deutschlands,
sein Bildungsbestreben führte ihn bis nach Lateinamerika und Zentralasien.
Sein Verständnis von Bildung war das Wissenschaftsideal der deutschen Universitätssystems.

Noch so eine Person, die in diesen Tagen oft in meinen Gedanken aufkreuzt:
Eine Karlifornierin, die aus "Appetit am Leben" mit 30 Jahren und einer für die 1940er schon herausragenden Karriere als Marketing-Chefin eines Möbelunternehmens im amerikanischen Spionage-Dienst nach China geht. Dort als Informationsvermittlung nach Washington arbeitet und ihren Mann kennenlernt. Mit ihm nach Frankreich zieht, die Küche lieben und das Kochen an d e r Cordon Bleu lernt. Mit 40 Jahren. Und mit "The French Chef" den Amerikanern Omletts und Hummer Thermidor anstatt TV-Dinner als erste Fernsehköchin serviert, bis sie 90 ist.

Mich faszinieren diese Biographien, denn sie bestärken mich, weiter in fremde Töpfe zu gucken und neue Pfade einzuschlagen. Es gab vor 200 Jahren Erwartungen an junge Akademiker, in den Staatsdienst zu treten vielleicht, zu forschen selbstverständlich - aber abenteuerliche Reisen ins Amazonasgebiet ? Ebenso wenig, wie eine junge Frau aus wohlhabenden konservativen Kreisen um 1940 von ihren Eltern gerne im Spionage-Dienst in China gesehen wurde.

"Was willst du denn einmal damit machen?" - Je länger das Studium voranschreitet, desto öfter fällt die Frage. Mit ein paar Praktika und Blogeinträgen kann man ja noch kein Geld verdienen.
Und für den großen und guten Journalismus, da braucht man mindestens eine Batterie an Theorie und Technik wie ein Chefkoch.
Doch in einem Land, wo es mittlerweile mehr Koch-Shows und Dinner-Dokus gibt als Gemüsesorten im Supermarkt; in dem Studenten mehr Credit Points sammeln als sie in Studium an Büchern lesen müssen, da frage ich mich dann, ob es denn so wichtig ist,
dass ich nach meinem Abschluss gleich d e n Job habe. Nur um zu zeigen, dass ich mit 22 Jahren Recht hatte - gegenüber wem? Menschen, die klüger und älter und erfahrener sind?
Das ist doch eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Nicht nur, weil keiner von denen, die mich fragen immer gleich dort gelandet sind, wovon sie schon als Kind träumten.
"Der Weg ist das Ziel."
Eine Reise, die sich vielleicht noch nach historischen, politischen, modischen oder emotionalen Kriterien dokumentieren lässt. Sicherlich nicht in Schubladen archivieren, höchstens an Wegtafeln festhalten.

Deshalb lautet meine Antwort jetzt gerne: Ich will weiter Reisen.
In fremde Länder, zu neuen Ufern, über Tellerränder und Buchrücken.

Nachtrag:
Ich bin kein Steppenwolf und auch nicht Helene Hegemann.



2010/03/01

Frühling lässt.. es krachen!

Nach nun 15 Tagen Böllerei, lautem Trommeln und kulinarischem Gemäste hat auch in China und seinem traditionellen Mondkalender das neue Jahr Einzug gehalten.
Am 14. Februar fing es an, mit einem großen Essen und vierstündigem Countdown im Fernsehen, inklusive einer glitzernden Batterie an Moderatoren, Sängern und Tänzern aus allen Volksgruppen und geographisch zugehörigen Ecken Chinas, selbst aus Taiwan.
Zwischendrin gab es für Augen und Ohren Verschnaufpausen in Form von komödiantischen Einlagen, "Dinner for 1.4 billion".


Ich war an diesem Abend zu Gast bei meiner chinesischen Kommilitonin Jiao Jiao und ihrer Familie, bzw. ihrem Vater, denn die Mutter war zu den Großeltern in den Norden gefahren.
Bereits auf die telefonische Nachfrage am Nachmittag hin, ob ich lieber Teigtaschen mit Ei oder Fleisch möge, wurde mir klar, dass dieses Abendessen ein größeres Unterfangen werden würde.


Jiao Jiaos Vater stand bereits vor unzähligen Töpfen in der Küche als ich um 7 Uhr eintraf,
im Wohnzimmer lief bereits der Fernsehr auf CCTV 1 - ja, die Sender in China heißen CCTV..

Nach einer kurzen Führung durch die Ein-Kind-Politik-gerechte Dreizimmerwohnung wurde ich erst einmal zur Feier des Tages mit Coca Cola - inklusive Festtagsaufschrift - versorgt und dann ging es auch schon ans Händewaschen: Unter der Leitung von Jiao Jiao und Vater wurde ich in die Kunst des Jiaozi-Machens eingeweiht, jenen Teigtaschen, die es in jeder Kantine und Essbude für ein paar Pfennige gibt, die selbst zu machen aber wirkliche Kunstfertigkeit abverlangen.

Der Teig aus Mehl, einem Ei und heißem Wasser war bereits fertig und ist typisch für Nudelteige sehr zäh. Interessant war, wie erst mit dem Daumen in der Mitte ein Loch gebohrt wird und dann eine Hälfte des entstandenen Rings abgerissen wird - anders scheint man diese Masse wohl nicht ebenmässig teilen zu können. Denn nachdem die entstandene Teigschlange in kleine Stückchen geteilt wurde, lassen sich die einzelnen Stücke nur unter affenartiger Geschwindigkeit und mit einer geschickten Handbewegung zu kleinen Fladen teilen.




Jiao Jiaos Vater arbeitete die Teigfleckchen in Windeseile ab, so dass er auch gleich wieder Zeit hatte, mir - nachdem ich bei dem Fladenroll-Versuch schon recht langsam war - beizubringen, wie ich ordentliche Jiaozi fülle und verschließe. Denn diese leckeren "Maultaschen", wie mein Besuch aus Deutschland sie letzte Woche einfacherhalbe umbenannte, halten den Kochprozeß in siedend heißem Wasser nur aus, wenn alle Ecken und Enden siegeldicht sind, sonst geht zum einen die schöne Füllung flöten, zum anderen entsteht gerade bei jenen mit Fleischanteil nicht das gewünschte Verhältnis aus Fleischbrühe und Füllungsbällchen, die dem ganzen Gericht ja erst den eigentlichen Nuckel-Zutzel-Spaßfaktor geben.

Also langer Rede, kurze Anleitung.


Einen Fladen in die Hand, mit Stäbchen ein wenig Füllung hineingeben.


Wie eine Ravioli falten und von den Knickkanten ausgehend fest verschließen.



Dann der große Clou zur Form: eine Kantenseite zwischen Daumen- und Zeigefingerfalte,
die andere Kante zwischen die andere Handfalte, restliche Finger ineinander verschränken
und dann mit dem Füllungsbeutelchen in den Handinnenflächen zusammenpressen.


Klingt einfach, ist etwas kompliziert, gewinnt an Fertigungssicherheit nach dem 10. Versuch.
Wie gut, dass man dieses Gericht an Neujahr in ausufernden Massen isst.


Aber nicht ausschließlich - es gab noch Morcheln mit Schwein und kalte Reisnudeln mit Rind und frischem Koriander.



Und wiedermal eine wunderbare Überschneidung deutsch-chinesischer Essgewohnheiten: Gekochter und geräuchertes Schinkenfleisch, geschmacklich eins zu eins mit einem guten Stück Kassler.


Mit all diesen Speisen machten wir es uns dann Punkt Acht Uhr vor dem Fernseher gemütlich
und schlemmten und verfolgten das Feiertagsprogramm.
Um elf Uhr setzte Jiao Jiao noch zu einem Crashkurs Majiang für mich an, dass ich nach der 3. Runde sogar gewann.


Um Mitternacht ging dann das Riesengepolter los, mit Böllern, Raketen und lautem Rufen wurde auf den Straßen und im Fernsehen das neue Jahr begrüßt.
Gegen ein Uhr machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause, mit dem Taxifahrer über Jiaozi-Rezepte schnackend und gegen 3 Uhr unter akustischer Begleitung des andauernden Geknalles einschlafend.

An die Raketen sollte ich mich in den nächsten Tagen noch gewöhnen, nur als am Montag bei strömendem Regen und Taifun-Winden plötzlich auch noch Trommeln vor meinem Fenstern ertönten, wusste ich wirklich nicht wohin damit:
Traditionell wird am Frühlingsfest viel Zeit mit der Familie, aber gerne auch mit Besuchen bei Nachbarn und Verwandten oder Ausflügen verbraucht. Es gibt Löwen-Akrobatik und tanzende Drachen, viele gute Gründe insgesamt den Frühling willkommen zu heißen.


Wenn er denn kommt. Die ersten vier Tage im Jahr des Tigers begannen in Zhuhai mit Regen, Sturm und abergrauem Himmel. Ich hab mich von Samstag bis Dienstag nicht einmal vor die Tür bewegen wollen, zumal ich Sonntag nach dem Festgelage eh überhaupt keinen Hunger hatte.
Dann hieß es ja, ab nach Hong Kong, meinen Besuch aus Deutschland für unsere Rundreise nach Shanghai und Beijng abzuholen - der Rote Faden unserer Reise waren die roten Papierfetzen der täglich gezündeten Böller.


Diesen Freitag war ich nun wieder in Zhuhai, die Temperaturen tropisch "frühlingshafte" 22 Grad Celsius und biszu 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.



Und vor allem - kein Regen! Also wurden gestern, am letzten Tag des Frühlingsfestes - dem Laternenfest - natürlich nochmal alle Register in Sachen Raketenrestposten gezogen -
Horizon Cove burning.


Ich war gerade auf dem Heimweg von einem Tag in Macao - obwohl totmüde, hungrig und verschwitzt und ziemlich sicher, dass meine Kamera und Motivation nicht mehr das gewünschte Ergebnis an Fotographie hergeben würden, hab ich versucht, das Treiben und Gezündel vor unserer Straße festzuhalten. Wenn auch kein dokumentarischer Standpunkt,
so doch ein kleiner Eindruck.





Am besten fand gefielen mir die beiden älteren Herren, die mich auf meinem Weg nach Hause überhaupt dazu verführt hatten, dem Geschehen nachzugehen:
Mit Instant-Nudeln, Zigaretten und eine großen Tüte Knaller machten sie es sich am Straßenrand gemütlich, völlig unberührt von vorbeifahrenden Autos und feuerten eine Ladung Böller nach der anderen in die Bananplantage.



Frühling, ja du bist's - ich hab dein Getöse vernommen.